ANLASS

Ein Attentat auf ein deutsches Wehrmachtsfahrzeug an der Oldenallerbrücke in der Nähe von Putten, Gelderland, Ende September 1944 führte zu einer Reihe von Ereignissen, die jede menschliche Vorstellung übersteigen.

Über 650 Männer aus Putten werden zur Vergeltung in einer Razzia, bei der Bürger das Leben lassen, verhaftet. Es werden dutzende von Häusern angezündet. Die Männer werden in einer Kirche zusammengepackt, einen Tag später in das Polizeiliche Durchgangslager Amersfoort verschleppt und einige Tage danach in Lager in Deutschland abtransportiert. In den Lagern werden die Männer zu Schwerstarbeit unter den schrecklichsten Lebensbedingungen gezwungen.

In den sieben Monaten bis zur Befreiung der Lager durch aliierte Truppen, April 1945, sterben über 500 Männer aus Putten an den Folgen von Erschöpfung, Seuchen und Gewalt.

GEURT DIRKSEN

Einer von den Männern aus Putten, die umkommen, ist Geurt Dirksen. Er wird auf der Straße verhaftet, obwohl man ihn kurz davor gewarnt hat, sich zu verstecken. Geurt geht davon aus, das deutsche Militär wird ihn nicht verhaften, da er 1942 im Arbeitseinsatz in Deutschland war. Den Schein trägt er in seiner Tasche. Geurt überlebt die Lager Amersfoort, Hamburg-Neuengamme und Meppen-Versen und wird Mitte April 1945 nach Sandbostel evakuiert.

Das Sterbedatum von Geurt Dirksen wird nach Kriegsende auf den 18. April 1945 festgelegt. Es ist unklar, ob Geurt Dirksen Stalag X B jemals erreichte oder ob er während des Transports von Hamburg Neuengamme nach Sandbostel, was neun Tage dauerte, starb.

Geurt wird 1903 geboren. Er ist das achte Kind von Janna Geurts und Hendrik Dirksen. Er ist der jüngere Bruder von Grietje Dirksen. Grietje ist die Großmutter von Ruurd van Schuijlenburg.

Über Geurts Leben und Sterben wird nach dem Krieg geschwiegen… 

KUNST ALS TRIBUT

Geurt Dirksen stirbt, zusammen mit zweiunddreißig weiteren Puttener Männern unter Umständen, die dermaßen erschreckend sind, dass die Zurückgebliebenen sie nicht in ihre Vorstellungen hervorrufen können. Man schweigt. 

Fünfundsiebzig Jahre später beschäftigt sich Ruurd van Schuijlenburg mit Geurt Dirksens Leben und Sterben. Wer war dieser Mann, was musste er in den sieben Monaten in Lagern in Deutschland ertragen? Ruurd schaut Geurt in die Augen und porträtiert ihn. Ben Middelkamp sieht das Porträt und wird von der Geschichte von Geurt Dirksen gerührt. Ben kennt die Geschichte der Arbeitslager im Emsland gut. Er malte vor einigen Jahren die Umgebung vom ehemaligen Lager Bathorn.

Ben und Ruurd fassen den Plan, Geurt, den anderen Männern, die in Sandbostel starben und den zwölf, die zurückkehrten, zu gedenken. So entstehen 2019 und 2020 mehrere dutzende von Arbeiten: Porträts, Landschaften und expressive Eindrücke von Orten, an welchen die Männer waren. Endziel: Stalag X B in Sandbostel.

Dieses Kunstprojekt ist ein Tribut. Eins, das für sich spricht und zum Gespräch führt. Oder zum Schweigen.

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